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37 Berliner Wissenschaftler gehören zu den Besten der Welt

Reklam

Berlin – Einer neuen Rangliste zufolge gehören 37 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin zu den weltweit Einflussreichsten in ihren Fächern. Dazu zählen der Öffentlichkeit weithin bekannte Namen wie die der Mikrobiologin und Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier und des Virologen Christian Drosten. Aber auch viele führende Vertreter ihrer Fächer sind darunter. „Dabei sticht die Berliner Forschung in den Bereichen Medizin und Gesundheit, Umwelt und Klima sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz besonders heraus“, teilt die Berliner Senatskanzlei mit.

Grundlage für das Ranking „Highly Cited Researchers“ der einflussreichsten Wissenschaftler ihres Fachs bildet die absolute Spitze (ein Prozent) der weltweit am meisten zitierten Publikationen. Wissenschaftliche Publikationen sind die wichtigste „Währung“ in der Forschungswelt. Grundlage für die Auswertung bildet die multidisziplinäre Datenbank „Web of Science“. Die Rangliste wird von Clarivate Analytics veröffentlicht, einem amerikanischen Dienstleister, der sich vor allem auf Analytik in Wissenschaft und Forschung konzentriert. In der Liste für 2021 werden weltweit weniger als 6700 Forschende aus 21 Bereichen aufgeführt, die in den vergangenen zehn Jahren durch die Publikation hochzitierter Beiträge einen besonders großen Einfluss auf ihre Fachgebiete ausübten. In ganz Deutschland sind es 331.

Viele junge Gesichter unter den Besten

Sehr positiv fällt dabei auf, dass zu den Besten der Welt viele junge Berliner Wissenschaftler zählen, darunter auch einige Frauen. In der Mitteilung des Senats werden sie als „Berliner Nachwuchsstars“ bezeichnet. Wie zum Beispiel die Stadtökologin Nadja Kabisch, die an der Humboldt-Universität die Forschungsgruppe „Green Equity Health“ zu  Wechselwirkungen von Umwelt und Gesundheit in Städten leitet.

Martin Ballaschk, MDC

Die Bioinformatikerin Sofia Forslund gehört zu den etwa 6700 meistzitierten WissenschaftlerInnen der Welt.

Oder wie die Bioinformatikerin Sofia Forslund, Leiterin eines Junior-Teams am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). Es befasst sich mit der Rolle der Mikroorganismen im Darm (Mikrobiom) beim Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ziel ist es, personalisierte Therapien zu entwickeln, die neben Daten des Mikrobioms auch Ernährung und Lebensstil berücksichtigen. „Mein Traum wäre, dass der Arzt in 20 Jahren über eine App verfügt, die vorhersagen kann, was getan werden muss, um dem Patienten oder der Patientin zu einem langen, gesunden Leben zu verhelfen“, sagt Sofia Forslund.

dpa/Wolfgang Kumm

Die 37 Top-Wissenschaftler aus Berlin

Stefan Anker, Medizin, Schwerpunkt Kardiologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Gerd Burmester, Medizin, Rheumatologie, Charité
Giuseppe Caire, Nachrichtentechnik, Computer Science, TU Berlin
Emmanuelle Charpentier, Mikrobiologie, Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene, HU Berlin
Victor Corman, Medizin, Virologie, Charité
Christoph Correll, Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Charité
Andreas Diefenbach, Medizin, Mikrobiologie und Infektionsimmunologie, Charité
Christian Drosten, Medizin, Virologie, Charité
Ottmar Edenhofer, Ökonomie, Klima, TU Berlin, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Sofia Forslund, Mikrobiom-Forschung, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Dieter Gerten, Klima, Wasser, Erdsystemanalyse, Humboldt-Universität (HU) Berlin, PIK
Dagmar Haase, Landschaftsökologie und Biogeografie, HU Berlin, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Helmut Haberl, Soziale Ökologie, HU Berlin
Denes Hnisz, Molekularbiologie und Genetik, Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik
Patrick Hostert, Geografie, Erdfernerkundung Earth Observation Lab der HU Berlin
Dmitry Ivanov, Supply Chain und Operations Management, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Nadja Kabisch, Stadt- und Umweltsoziologie, HU Berlin
Christoph Klose, Medizin, Mikrobiologie und Infektionsimmunologie, Charité
Tobias Kümmerle, Biogeografie, HU Berlin
Jürgen Kurths, Physik, Klimaforschung, Komplexe Systeme, HU Berlin, PIK
Ulf Landmesser, Medizin, Kardiologie Charité, Berlin Institute of Health (BIH)
Hermann Lotze-Campen, Agrarwissenschaften, Nachhaltigkeit, HU Berlin, PIK
Gunnar Luderer, Physik, Energie- und Klimaforschung, TU Berlin, PIK
Alexander Meissner, Genetik, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
Alexander Mildner, Zellforschung, Tumorentwicklung, MDC
Marcel Müller, Medizin, Virologie, Immunbiologie, Coronavirus, Charité
Klaus-Robert Müller, Maschinelles Lernen, TU Berlin, Nationales Kompetenzzentrum für KI-Forschung Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD)
Frank Noé, Maschinelles Lernen, Künstliche Intelligenz, Mathematical Modeling in the Life Sciences, FU Berlin, Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme
Burkert Pieske, Medizin, Kardiologie, Charité, Deutsches Herzzentrum Berlin
Nikolaus Rajewsky, Systembiologie, Berliner Institut für Medizinische Systembiologie, MDC 
Matthias Rillig, Biodiversitätsforscher, Freie Universität Berlin
Beatriz Roldán Cuenya, Oberflächenphysik, Grenzflächenwissenschaft, Fritz-Haber-Institut
Joachim Sieper, Medizin, Rheumatologie, Charité, Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin
Robert Schlögl, Chemie, Katalyseforschung, Fritz-Haber-Institut
Stefan Schwarz, Veterinärmedizin, Mikrobiologie, Tierseuchen, FU Berlin
Peter Strasser, Chemie, Katalyseforschung, TU Berlin
Frank Tacke, Medizin, Hepatologie und Gastroenterologie, Charité

Vor allem an den sogenannten Lebenswissenschaften ist Berlin stark beteiligt. Zu diesen gehört die Medizin. Allein die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit 13 Wissenschaftlern unter den 37 „Highly Cited Researchers“ vertreten. Die Felder der Publikationen reichen von der Virologie über Kardiologie, Rheumatologie und Gastroenterologie bis zur Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. „Insgesamt spiegelt die Rangliste die starke regionale Vernetzung der Berliner Wissenschaftslandschaft wider“, erklärt der Senat. Viele der genannten Wissenschaftler haben Professuren an den Universitäten inne und forschen zugleich an außeruniversitären Instituten.

Die Mechanismen von Krankheiten

Mehrfach genannt wird zum Beispiel das bereits erwähnte MDC, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, „die molekularen Mechanismen von Gesundheit und Krankheit aufzuklären und diese Erkenntnisse auf die medizinische Praxis zu übertragen“, wie es in der Selbstdarstellung heißt.

Einer der meistzitierten Forscher des MDC  ist der Systembiologe Nikolaus Rajewsky. Erst jüngst berichtete die Berliner Zeitung über ein großes Projekt, das er mit leitet. In Berlin soll eine neuartige Zellklinik entstehen – das Berlin Cell Hospital (BCH), als Mittelpunkt eines großen Biotech-Innovationszentrums. Auf Künstliche Intelligenz gestützt sollen hier Krankheiten wie Krebs, Parkinson und Alzheimer anhand der Vorgänge in den einzelnen Zellen bereits erkannt werden, bevor sie überhaupt Symptome entwickeln, sagte Rajewsky. „Dadurch kann man auch neue Wege finden, um sie wieder gesund zu machen.“ Rajewskys Labor selbst forscht auf der Grundlage von Einzelzell-Methoden zur Rolle von RNA in Geweben. Seine Beiträge wurden unter anderem im Rahmen des „Breakthrough of the year 2018“ im Journal Science erwähnt.

Markus Wächter/Berliner Zeitung

Der Berliner Systembiologe Nikolaus Rajewsky

Zu den führenden Köpfen in den Lebenswissenschaften zählt laut Ranking auch Alexander Meissner, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Dahlem. Er wurde in Berlin geboren, studierte Biotechnologie an der TU Berlin, promovierte in den USA, wurde Professor an der Harvard University und kehrte 2017 wieder nach Berlin zurück. Meissner gehöre „zu den weltweit führenden Forschern auf dem Gebiet der Epigenetik und Neuprogrammierung von Stammzellen“, schreibt die Max-Planck-Gesellschaft. 

Zu den wohl bekanntesten Vertretern der Lebenswissenschaften in Berlin zählt die Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier von der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene. Sie ist auch Honorarprofessorin an der Humboldt-Universität. Die Mikrobiologin entwickelte vor Jahren die sogenannte Genschere Crispr/Cas9, eine molekularbiologische Methode, mit der man die DNA gezielt verändern kann. Gene können eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet werden.

dpa/Peter Steffen

Die Mikrobiologin und Chemie-Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier im Labor.

Weil sich damit das Erbgut von Organismen präzise verändern lässt, wird auch über Chancen und Risiken der Technologie diskutiert. Denn mit der Genschere lassen sich nicht nur gezielte Gentherapien an einzelnen Menschen vornehmen. Man kann irreversibel in die Schöpfung eingreifen und die Erbsubstanz von Pflanzen, Tieren und Menschen so verändern, dass auch alle Nachkommen verändert sind. Nachdem ein chinesischer Forscher zum Beispiel im Jahre 2018 per Genschere Designer-Babys erzeugt hatte, schloss sich auch Emmanuelle Charpentier einem Aufruf von Forschern aus sieben Nationen an, „jegliche Anwendung von genetischen Keimbahnveränderungen zu unterlassen“ – bis die Technik wirklich sicher ist und alle ethischen und moralischen Aspekte diskutiert wurden.

Um gesellschaftliche Fragen geht es auch, wenn von Christian Drosten die Rede ist – dem wohl bekanntesten der 37 am meisten zitierten Berliner Forscher. Und dabei sind gar nicht Zitate aus „der Presse“ gemeint. Da würde Drosten wohl absolute Spitze sein. Nein, Drosten ist vor allem Forscher – was viele vergessen. Seinen NDR-Podcast zur Corona-Pandemie betreibt er nur nebenbei.

Die Entstehung von Epidemien verstehen

Drosten gehört nach Aussagen des Wissenschaftsmagazins Science zu den „weltweit führenden Experten im Hinblick auf Coronaviren“, wobei Drosten vor allem auch die Zoonosen interessieren, das – wechselseitige –Überspringen von Erregern zwischen Tierreich und Menschenwelt. Erforscht werden solche Prozesse in der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen, an der Hunderte Forscher beteiligt sind und die Drosten mit leitet. Der Berliner Forscher hatte 2003 das neuartige Sars-Virus mitentdeckt und einen diagnostischen Test darauf entwickelt – genau wie 2012 beim Mers-Coronavirus. Allein sechs Publikationen Drostens über die Verbreitung des Sars-Virus von 2002/2003 wurden mehr als 3000-mal in wissenschaftlichen Publikationen zitiert.

Als Drosten im März 2017 – von Bonn kommend – seine Professur an der Berliner Charité antrat, wo er auch das Institut für Virologie leitet, war er in der Fachwelt bereits so bekannt, dass er eigentlich überall hätte hingehen können. Aber er entschied sich für Berlin, um hier ein „Zentrum der Epidemieforschung“ aufzubauen, wie die Charité schrieb. Verschiedene Institute sollten daran beteiligt werden. „Es ist unser Ziel, die Entstehung von Epidemien zu verstehen und Viren, die als Bedrohung auf uns zukommen, anhand von Labordaten zu erkennen“, sagte Drosten im März 2017. Bis zum Auftreten von Sars-CoV-2 sollten noch mehr als zweieinhalb Jahre vergehen. 

Am Ranking der „Highly Cited Researchers“ kann man auch sehen, welche Gebiete in Berlin zu den Zukunftsfeldern gehören. Dazu zählen neben Medizin, Gesundheit und Genetik auch die Erforschung von Klima und Biodiversität im Wandel. Dazu gehören neuartige Ansätze für wirtschaftliche Prozesse und Lieferketten, für das Leben in Städten und die Energieversorgung. Mit ganz vorne dabei auch die Katalyseforschung, die immer neue Wege findet, chemische Reaktionen zu optimieren – mit großen Fortschritten für den Energiesektor, die Landwirtschaft, neueste Materialien, Medizin und Umweltschutz. Auch in der Künstlichen Intelligenz und dem Maschinellen Lernen spielen Berlins Forscher an der Weltspitze mit.

PIK

Ottmar Edenhofer, Direktor des PIK.

Zu den meistzitierten Experten im Bereich Umwelt- und Klimaforschung gehört zum Beispiel Ottmar Edenhofer, Professor an der Technischen Universität (TU) Berlin und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Der studierte Wirtschaftswissenschaftler befasst sich etwa mit Kosten-Nutzen-Analysen des Klimaschutzes, mit Nachhaltigkeitstheorie und Umweltökonomik. Zusammen mit PIK-Mitarbeitern formulierte er den „Global Deal“ für den Klimaschutz und entwickelte das Konzept für den transatlantischen Kohlenstoffmarkt. Im Juni 2019 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das PIK, um sich von Edenhofer zu Optionen der CO2-Bepreisung beraten zu lassen. Sowohl Potsdam als auch Berlin können ihn also zu ihren meistzitierten Wissenschaftlern zählen.

Maschinen können lernen

Auch mehrere Mitglieder des nationalen Kompetenzzentrums für die Erforschung der Grundlagen Künstlicher Intelligenz – Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (Bifold) – finden sich im Ranking. Darunter sein Mitbegründer Klaus-Robert Müller, einer der Wegbereiter des Maschinellen Lernens, wie es heißt. Die Zeitschrift Brand eins nannte den Informatiker einen Star, „den fast niemand kennt“. Müller sei einer der sehr einflussreichen, aber leisen Vorreiter des Fachgebiets. Er habe „mindestens drei Forschungsansätze mit großer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Relevanz zu einem jeweils frühen Zeitpunkt erkannt und geprägt“.

Christian Kielmann/BIFOLD

Klaus-Robert Müller, einer der Vorreiter des Maschinellen Lernens.

Dazu zähle etwa die Entwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen, die es zum Beispiel ermöglichen, dass sich vollständig gelähmte Patienten wieder verständlich machen können. Oder die Support Vector Machines, mathematische Verfahren, durch die Computer befähigt werden, bestimmte Muster in großen Datenmengen zu erkennen. Klaus-Robert Müller habe einen entscheidenden Beitrag geleistet, um das Verfahren für die medizinische Forschung nutzbar zu machen. Und er habe mit Methoden des maschinellen Lernens „eine annähernde Lösung der Schrödingergleichung“ erreicht. Was sich sehr theoretisch anhöre, bedeute „mögliche Durchbrüche für die chemische Industrie, die Materialherstellung und die Entwicklung neuer Medikamente“, heißt es in dem Porträt von Brand eins.

Auch ein Forscher einer Hochschule für angewandte Wissenschaften wird in der internationalen Bestenliste geführt: Dmitry Ivanov von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Er veröffentlichte unter anderem vielbeachtete Publikationen zu Industrie 4.0 sowie zu Auswirkungen von Pandemien auf globale Lieferketten.

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